Achtung Falle: Die private Bürgschaft beim Firmenkredit – Wann du NIEMALS unterschreiben solltest

Veröffentlicht am 19. Februar 2026

Heute müssen wir über ein Thema sprechen, bei dem mir regelmäßig die Hutschnur hochgeht. Es ist der Moment, in dem der feine Anzug des Bankberaters plötzlich gar nicht mehr so freundlich wirkt.

Stell dir vor: Du hast alles richtig gemacht. Du hast extra eine GmbH oder eine UG (haftungsbeschränkt) gegründet. Du hast den Notar bezahlt, die Stammeinlage eingezahlt und dich an alle Regeln gehalten. Warum hast du das gemacht? Richtig, um dein privates Häuschen, dein Erspartes und deine Familie abzusichern, falls das Business mal gegen die Wand fährt. Das ist der ganze Sinn einer Kapitalgesellschaft!
Jetzt brauchst du für die nächste Wachstumsstufe einen Firmenkredit. Du sitzt bei der Bank, die Zahlen stimmen, der Vertrag liegt auf dem Tisch. Und dann schiebt der Berater ganz beiläufig noch ein zweites Blatt Papier rüber.
„Herr Alex, das hier ist nur eine Formsache. Wir bräuchten dann noch die selbstschuldnerische Bürgschaft von Ihnen als Gesellschafter.“

Stopp. Einfach Stopp. Das ist keine Formsache. Das ist der Moment wo du eigentlich aufstehen und den Raum verlassen solltest.

Was dieses kleine Stück Papier wirklich bedeutet

Lass dir von niemandem einreden das wäre „branchenüblich“ und „nicht so wild“. Wenn du eine selbstschuldnerische Bürgschaft unterschreibst, zerschlägst du den Schutzschild deiner GmbH mit einem Vorschlaghammer.
„Selbstschuldnerisch“ heißt in feinstem Juristendeutsch: Wenn deine Firma die Kreditrate nicht zahlt, muss die Bank nicht erst ewig versuchen das Geld von der Firma einzutreiben (z.B. durch Pfändungen). Nein, die Bank kann sofort und direkt an dein privates Konto. Sie können dein privates Auto pfänden, an dein Haus gehen und deine private Altersvorsorge plündern.

Du haftest plötzlich wieder mit deinem gesamten Privatvermögen. Der teure GmbH-Mantel ist in Bezug auf diesen Kredit völlig wertlos geworden.

Warum Banken das so gerne machen

Aus Sicht der Bank ist das logisch. Die wollen Risiko minimieren. Eine GmbH kann in die Insolvenz rutschen, dann ist das Geld für die Bank meistens weg. Wenn sie aber dich persönlich am Haken haben, wissen sie: Der Geschäftsführer wird eher nachts nicht schlafen und drei Nebenjobs annehmen, bevor er sein privates Haus an die Bank verliert.

Es ist das ultimative Druckmittel. Und ganz ehrlich: Viele Banken machen es sich da einfach zu leicht. Anstatt das Geschäftsmodell und die Sicherheiten der Firma (Maschinen, Lagerbestand) vernünftig zu bewerten, nehmen sie einfach dich als Geisel.

Geht es auch ohne private Bürgschaft?

Ja, es geht! Es ist schwieriger und erfordert mehr Vorbereitung, aber es ist absolut möglich einen Firmenkredit ohne private Bürgschaft zu bekommen.

Hier sind deine echten Optionen:

  • Sicherheiten der Firma nutzen: Wenn du einen Kredit für eine neue Maschine oder einen Fuhrpark aufnimmst, dann dient genau diese Maschine als Sicherheit (Sicherungsübereignung). Das muss der Bank reichen. Wenn die Maschine 100.000 Euro wert ist und der Kredit 80.000 Euro beträgt, ist die Bank abgesichert. Punkt.
  • KfW-Förderkredite mit Haftungsfreistellung: Das ist ein echter Gamechanger. Bei manchen Programmen (z.B. ERP-Gründerkredit) übernimmt die staatliche KfW bis zu 80% des Ausfallrisikos. Die Hausbank hat also fast kein Risiko mehr. Folglich darf sie für diesen freigestellten Teil auch gar keine private Bürgschaft von dir fordern!
  • Alternative Finanzierer & Fintechs: Viele moderne Online-Kreditgeber schauen rein auf deinen digitalen Cashflow. Die wollen oft gar keine private Bürgschaft, sondern begnügen sich mit einer persönlichen Garantie, die aber oft weicher formuliert ist oder die verlangen einfach einen etwas höheren Zins als Risikoaufschlag.

Wenn du unterschreiben MUSST (Schadensbegrenzung)

Manchmal steht man mit dem Rücken zur Wand. Das Konto ist leer, die Gehälter müssen bezahlt werden wegen dem Liquiditätsengpass, und keine andere Bank macht mit. Wenn du die Bürgschaft zähneknirschend unterschreiben musst, dann mach es wenigstens clever.

Unterschreibe niemals eine sogenannte „Globalbürgschaft“ oder „Höchstbetragsbürgschaft“, die alle zukünftigen und bestehenden Schulden abdeckt!

Handle folgende Dinge knallhart aus:

  1. Begrenzung der Summe: Bürge nur für einen Teilbetrag. (z.B. „Ich bürge maximal für 30% der Kreditsumme“).
  2. Zweckbindung: Die Bürgschaft gilt nur für die Darlehensvertragsnummer XYZ und für sonst gar nichts.
  3. Zeitliche Begrenzung: „Die Bürgschaft erlischt automatisch, sobald 50% des Kredits getilgt sind.“ (Das ist extrem wichtig, denn wenn die Firma schon die Hälfte abbezahlt hat, ist das Risiko für die Bank ohnehin massiv gesunken!).
  4. Keine Ehegatten-Bürgschaft: Lass um Himmels Willen deine Frau oder deinen Mann da raus. Wenn ihr beide unterschreibt und es knallt, seid ihr beide privat pleite. Einer muss immer die saubere Weste behalten.

Dein Privatleben ist heilig

Wir Unternehmer gehen jeden Tag Risiken ein. Das gehört zum Job. Aber das unternehmerische Risiko muss im Unternehmen bleiben. Verkaufe nicht die Zukunft deiner Kinder, nur weil ein Bankberater zu faul ist, deinen Businessplan richtig zu lesen.Kämpft für eure GmbH-Haftungsbeschränkung. Verhandelt hart. Geht notfalls zu drei anderen Banken.