Nie wieder Angst vor dem Finanzamt: Die 3-Konten-Methode für entspannte Unternehmer
Ich muss euch eine Geschichte erzählen, die mir heute noch peinlich ist. Aber ich tue es, damit ihr nicht denselben Fehler macht.
Vor ein paar Jahren lief es bei mir richtig rund. Die Aufträge kamen rein, mein Geschäftskonto zeigte Zahlen, die ich vorher nur aus dem Mathebuch kannte. Ich dachte: „Alex, du hast es geschafft.“ Ich habe investiert, mir ein schickes Auto geleast und bin gut in den Urlaub gefahren. Dann kam der November. Und mit ihm der graue Brief vom Finanzamt.
Umsatzsteuervorauszahlung Q3 + eine saftige Einkommensteuer-Nachzahlung für das Vorjahr. Summe: Ein solider Mittelklassewagen.
Ich schaute auf mein Konto. Da war aber nur noch ein Kleinwagen drauf.
Mir wurde heiß und kalt gleichzeitig. Ich hatte das Geld schlichtweg ausgegeben. Nicht verprasst, aber eben reinvestiert, weil ich dachte, es gehört mir. Aber das tat es nicht. Es gehörte dem Staat. Ich musste damals einen teuren Kontokorrentkredit aufnehmen, nur um meine Steuerschulden zu bezahlen. Ein absoluter Albtraum.
Damit euch dieser „Liquiditäts-Herzinfarkt“ erspart bleibt, stelle ich euch heute mein System vor, das mein Leben gerettet hat: Die 3-Konten-Methode.
Das Problem: Die große Lüge auf deinem Konto
Das Hauptproblem von uns Selbstständigen ist die „optische Täuschung“. Du guckst in deine Banking-App und siehst: 10.000 Euro. Dein Gehirn schreit: „Juhu, wir haben 10.000 Euro!“ Aber das stimmt nicht. In diesen 10.000 Euro stecken 19% Umsatzsteuer, die nur durchlaufender Posten sind. Da steckt Einkommensteuer drin. Da stecken Gewerbesteuerrücklagen drin. Vielleicht gehören dir von den 10.000 Euro eigentlich nur 5.000 Euro.
Wenn du alles auf einem Haufen lässt, verlierst du den Überblick. Garantiert.
Die Lösung: Trenne dein Geld strickt
Das Prinzip ist simpel, aber extrem wirkungsvoll. Statt alles in einem Topf zu rühren, brauchst du verschiedene Töpfe für verschiedene Zwecke. Ich nutze dafür drei separate Bankkonten (bei manchen modernen Banken gehen auch „Unterkonten“ oder „Spaces“, solange du sie strikt trennst).bewer
Hier ist das Setup:
Konto 1: Das operative Hauptkonto (Der Bahnhof)
Hier kommt alles rein. Jeder Euro Umsatz landet hier. Und von hier gehen alle laufenden Kosten ab: Miete, Personal, Software, Wareneinkauf.
Aber: Das Geld bleibt hier nicht liegen!
Konto 2: Das Steuer-Konto (Die „Finger weg!“-Zone)
Das ist das wichtigste Konto überhaupt. Sobald eine Zahlung auf Konto 1 eingeht, überweist du den Steueranteil sofort auf Konto 2.
Ich mache das mittlerweile wöchentlich, manche machen es bei jedem Geldeingang.
Faustformel für die Überweisung:
- 19% Umsatzsteuer: Gehören dir eh nicht. Weg damit aufs Steuerkonto.
- ca. 25-30% vom Netto: Für die Einkommensteuer (je nach deinem Steuersatz).
Wenn das Finanzamt abbucht, lässt du es nur von diesem Konto abbuchen. Du wirst merken: Plötzlich tut die Steuerzahlung nicht mehr weh. Das Geld war ja eh „weg“. Und wenn am Jahresende was übrig bleibt? Herzlichen Glückwunsch, das ist dein Weihnachtsgeld!
Konto 3: Das Gewinn- & Rücklagen-Konto (Dein „Schatz“)
Hierhin überweist du dir deinen eigenen „Gewinn“ oder baust Rücklagen für schlechte Zeiten auf. Viele Unternehmer bezahlen sich selbst als Letztes. Falsch!
Überweise jeden Monat einen festen Prozentsatz (z.B. 5% oder 10%) auf dieses Konto. Das ist für Investitionen, für Notfälle oder für deine private Altersvorsorge. Dieses Konto fasst du im operativen Geschäft nicht an.
Warum das psychologisch so gut funktioniert
Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Wenn auf dem operativen Konto (Konto 1) weniger Geld liegt, werden wir automatisch sparsamer und kreativer. Wir passen unsere Ausgaben an das an, was verfügbar ist. Wenn du die Steuern vorher abziehst, zwingst du dein Unternehmen dazu, mit dem echten Netto-Geld auszukommen. Das nennt man „künstliche Verknappung“.
Es verhindert, dass du dir einen Lifestyle oder Firmenausgaben leistest, die du dir eigentlich gar nicht leisten kannst.
Die Umsetzung: Fang klein an
Du musst jetzt nicht sofort zur Bank rennen und wild Konten eröffnen (wobei das heute online in 10 Minuten geht).
Fang so an:
- Eröffne ein Tagesgeldkonto oder Unterkonto.
- Nenne es „Finanzamt“.
- Ab sofort: Jedes Mal, wenn du eine Rechnung schreibst und das Geld kommt, schiebe die 19% MwSt. sofort da drauf.
Allein dieser Schritt wird dich ruhiger schlafen lassen. Glaub mir. Ein Kredit sollte dazu da sein, dein Unternehmen wachsen zu lassen – neue Maschinen, mehr Marketing, Expansion. Er sollte nicht dazu da sein, Löcher zu stopfen, die du durch schlechtes Konten-Management selbst aufgerissen hast. Bring Ordnung in deine Finanzen, dann folgt der Erfolg von ganz allein.