Finanzierung ambulanter Pflegedienste – Alles was du wissen musst!
1. Geschäftsmodell (Kurzprofil)
Ambulante Pflegedienste arbeiten auf Basis gesetzlich regulierter Vergütungssysteme.
Abgerechnet wird überwiegend mit Pflege- und Krankenkassen nach SGB XI und SGB V.
Charakteristika:
- wiederkehrende Umsätze
- planbare Leistungsvergütung
- hohe Personalquote
- Vorfinanzierung von Löhnen
- zeitverzögerte Zahlungseingänge
Bankenklassifizierung:
➡️ strukturell stabil, liquiditätssensibel
2. Typische Einnahmenstruktur
| Erlösquelle | Planbarkeit | Zahlungsziel |
|---|---|---|
| Pflegekassen (SGB XI) | hoch | 14–30 Tage |
| Krankenkassen (SGB V) | hoch | 30–45 Tage |
| Privatleistungen | mittel | sofort–14 Tage |
| Zusatzleistungen | variabel | individuell |
Das Risiko liegt nicht im Umsatz, sondern im Zeitversatz zwischen Leistung und Zahlung.
3. Kostenstruktur (Bankrelevant)
Fixkosten:
- Personal (60–75 % vom Umsatz)
- Verwaltung & Abrechnung
- Fahrzeuge & Versicherung
- Miete / Büro
Variable Kosten:
- Fahrtkosten
- Fortbildungen
- Verbrauchsmaterial
- Leasingraten
➡️ Banken achten besonders auf Lohnvorfinanzierung und Personalfluktuation.
4. Typische Finanzierungsanlässe
| Anlass | Zweck |
|---|---|
| Gründung | Startliquidität, Fahrzeuge, IT |
| Wachstum | Personalaufbau |
| Übernahme | Kaufpreis + Übergangslaufzeit |
| Liquidität | Vorfinanzierung Löhne |
| Digitalisierung | Abrechnung, Tourenplanung |
Kapitalbedarf:
- Gründung: 50.000–150.000 €
- Wachstum: 30.000–100.000 €
- Übernahme: 150.000–500.000 €
5. Kreditprüfung – Entscheidungslogik der Bank
Schritt 1: Zulassung & Struktur
- Versorgungsvertrag vorhanden
- Abrechnungssystem etabliert
- Pflegefachkraftquote erfüllt
Schritt 2: Umsatzstabilität
- Anzahl aktiver Klienten
- Auslastung Pflegegrade
- Entwicklung der letzten 12 Monate
Schritt 3: Personalrisiko
- Mitarbeiteranzahl & Qualifikation
- Fluktuationsquote
- Einsatz von Leasingpersonal (kritisch)
Schritt 4: Liquiditätsrechnung
- Lohnlauf vs. Zahlungseingang
- Reserve für 1–2 Monate Personalkosten
➡️ Liquiditätsplan wichtiger als Gewinn.
6. Geeignete Finanzierungsinstrumente
Betriebsmittelkredit
- Kerninstrument für Pflegebetriebe
- Zweck: Lohn- und Kostenüberbrückung
- Volumen: 30.000–150.000 €
Investitionskredit
- Fahrzeuge, IT, Büro
- Laufzeit: 3–7 Jahre
Leasing
- Fahrzeuge & Medizintechnik
- schont Eigenkapital
Förderkredite
- insbesondere in der Gründungsphase
- häufig eingebunden über die KfW
7. Häufige Ablehnungsgründe
- keine Liquiditätsreserve für Löhne
- zu schneller Personalaufbau
- hohe Abhängigkeit von einer Kasse
- mangelhafte Abrechnung / Nachforderungen
- private Entnahmen zu hoch
Banken bewerten Pflegedienste betriebswirtschaftlich, nicht sozialpolitisch.
8. Bankenpräferenz (typisch)
| Banktyp | Einschätzung |
|---|---|
| Sparkassen / Volksbanken | sehr geeignet (regional, Erfahrung) |
| Geschäftsbanken | selektiv |
| Online-Finanzierer | nur kleine Beträge |
| Förderbanken | wichtig bei Gründung |
| Spezialbanken | vereinzelt aktiv |
9. Kritischer Punkt: Wachstum
Pflegedienste scheitern selten am Start – sondern am zu schnellen Wachstum.
Mehr Klienten bedeuten:
- mehr Personal
- höhere Lohnvorfinanzierung
- mehr Organisationsaufwand
Ohne Kreditlinie entsteht Liquiditätsstress trotz voller Auftragsbücher.
Ambulante Pflegedienste sind kreditwürdig, wenn:
- Abrechnung sauber läuft
- Personal stabil ist
- Liquidität aktiv gemanagt wird
Fazit:
Banken finanzieren Pflege nicht aus Idealismus, sondern wegen planbarer Cashflows.
Wer Finanzierung als dauerhaften Prozess versteht – nicht als einmaligen Kredit – bleibt handlungsfähig.