Bankenspiegel zu schmal? Leasing und Factoring gehören in meine Finanzierungsübersicht
Für ein Kreditgespräch würde ich nicht nur die offenen Darlehensbeträge zusammentragen. Ein Unternehmen kann zusätzlich Leasingverträge, Factoring und weitere finanzielle Bindungen haben. Wenn diese in einer Übersicht fehlen, bleibt der monatliche Zahlungsdruck möglicherweise unsichtbar.
Ich würde den klassischen Bankenspiegel deshalb um eine getrennte Vertragsübersicht ergänzen. Getrennt ist dabei wichtig: Eine Leasingrate ist nicht automatisch dieselbe Größe wie eine Darlehensrestschuld. Die Übersicht soll Unterschiede verständlich machen, statt alle Beträge in einer scheinbar einfachen Summe zusammenzuwerfen.
Ich beginne mit drei unterschiedlichen Fragen
Wie hoch sind die laufenden Zahlungen? Welche Beträge sind noch gebunden? Und welche Bedingungen können die verfügbare Liquidität verändern? Je nach Vertrag braucht jede Frage andere Angaben. Ein einziger Restbetrag beantwortet sie nicht zuverlässig.
Die IHK München empfiehlt, Kredit-, Leasing-, Factoring- und sonstige Verträge mindestens jährlich inhaltlich zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen. Ich würde diese Bestandsaufnahme besonders dann vorziehen, wenn eine neue Finanzierung geplant wird. Der Kreditgeber soll ein nachvollziehbares Gesamtbild erhalten.
Die Darlehensliste bleibt als eigener Abschnitt bestehen
Für Darlehen notiere ich Vertragspartner, aktuellen Stand mit Datum, regelmäßige Zahlung und vereinbarte Termine. Falls Zinssatz oder Rate künftig wechseln können, bekommt die betreffende Stelle eine eigene Anmerkung. Bereits erledigte Verträge bleiben nicht versehentlich in der laufenden Belastung stehen.
Für Kreditlinien ergänze ich Rahmen und aktuelle Nutzung als verschiedene Größen. Einen ungenutzten Betrag würde ich nicht als Guthaben behandeln. Ob er tatsächlich noch verfügbar ist, muss anhand der geltenden Zusage und Bedingungen beurteilt werden.
Beim Leasing interessiert mich der Zahlungsablauf
Meine Leasingübersicht enthält die laufende Rate, die vereinbarte Dauer und noch bevorstehende größere Zahlungen, sofern der konkrete Vertrag solche vorsieht. Hinzu kommen Hinweise zu Vertragsende und den tatsächlich vereinbarten Möglichkeiten. Ich würde weder einen automatischen Eigentumsübergang noch eine kostenlose Rückgabe unterstellen.
Bereits gezahlte Sonderzahlungen und künftig fällige Beträge halte ich auseinander. Sonst wirkt die weitere Liquiditätsbelastung schnell höher oder niedriger, als sie tatsächlich geplant ist. Eine nachvollziehbare Übersicht zeigt, welche Zahlung noch vor dem Unternehmen liegt.
Eine Monatsrate ist keine gesamte Vertragsbewertung
Ein niedriger Betrag pro Monat kann sich über einen längeren Zeitraum verteilen. Ich würde für die eigene Planung deshalb auch die verbleibenden Termine betrachten. Welche Verpflichtungen bilanziell wie zu erfassen sind, kläre ich mit der zuständigen Fachperson; meine Übersicht ersetzt keinen Abschluss.
Bei mehreren Objekten gruppiere ich die Verträge so, dass die laufenden Zahlungen weiterhin einzeln nachvollziehbar bleiben. Eine Sammelzeile ohne Laufzeiten wäre zwar kurz, hilft im Gespräch aber wenig, wenn nach dem Ende einer Belastung gefragt wird.
Factoring bekommt eine andere Darstellung
Beim Factoring werden Forderungen verkauft. Ich würde deshalb nicht einfach den bereits verkauften Rechnungsbetrag als zusätzliches Darlehen in den Bankenspiegel schreiben. Für die Liquidität interessieren mich unter anderem Auszahlungen, noch einbehaltene Beträge und vertragliche Kosten.
Ebenso möchte ich wissen, welche Forderungen nach den Bedingungen überhaupt angekauft werden können. Ein im Vertrieb erwarteter Umsatz ist für mich noch kein sicher finanzierbarer Forderungsbestand. Offene Voraussetzungen oder streitige Rechnungen kennzeichne ich getrennt.
Mein Abschluss ist eine gemeinsame Zeitachse
Für das nächste Quartal würde ich die tatsächlich geplanten Zahlungen aus den unterschiedlichen Verträgen in einem Kalender zusammenführen. Die Vertragsarten bleiben erkennbar. So kann eine hohe Leasingzahlung neben einer Kreditrate sichtbar werden, ohne sie rechtlich oder rechnerisch gleichzusetzen.
Nimm vor dem nächsten Banktermin die Verträge zusätzlich zu den Kontoauszügen dazu. Wenn Darlehen, Linien, Leasing und Factoring jeweils mit den passenden Angaben beschrieben sind, lassen sich Rückfragen besser beantworten. Ich möchte eine verständliche Gesamtübersicht abgeben, deren Zahlen sich bis zum einzelnen Vertrag zurückverfolgen lassen.
Die Anrechnung einzelner Linien erläutere ich ergänzend im Beitrag über Avalrahmen, Kontokorrent und den tatsächlich freien Spielraum.