Der vergessene Gratis-Kredit: Wie ich mit der richtigen Firmenkreditkarte 58 Tage Liquidität gewinne

Veröffentlicht am 22. Januar 2026

Wisst ihr, was mich am meisten nervt? Wenn ich Google Ads schalte.

Google bucht gnadenlos ab. Sofort.

Oder wenn ich Server-Kosten habe. Oder Tankrechnungen für die Flotte. Das Geld ist sofort weg vom Konto.

Gleichzeitig lassen sich meine Kunden (wie immer) Zeit. Dieser Zeitraum – das Geld ist raus, aber das neue Geld ist noch nicht da – ist der Tod für viele kleine Firmen. Man nennt das „Working Capital Cycle“, aber ich nenne es einfach „die Durststrecke“.

Ich habe jahrelang meine normale Bankkarte (Debit) benutzt. Geld ausgegeben -> Geld weg.

Bis mir ein befreundeter Gründer mal auf die Finger gehauen hat: „Alex, bist du wahnsinnig? Du verschenkst einen kostenlosen Kredit!“

Seitdem nutze ich Firmenkreditkarten mit Liquiditätspuffer. Und ich rede hier nicht von 200 Euro Verfügungsrahmen, sondern von 50.000 Euro und mehr. Das ist für mich wie ein zinsfreier Dispo. Wie das genau funktioniert und welche Fallen es gibt, erkläre ich euch heute.

Der Unterschied: Debit vs. Credit vs. Charge

Bevor wir zu den Anbietern kommen, müssen wir kurz technisch werden. Viele checken den Unterschied nicht (ging mir auch so).

  1. Debit-Karten (Standard): Du kaufst was bei Amazon, das Geld wird morgen von deinem Girokonto abgebucht.
    • Liquiditätsvorteil: Null.
  2. Revolving Credit (Klassische Kreditkarte): Du kaufst was, zahlst es in Raten zurück.
    • Liquiditätsvorteil: Ja, aber teuer! Die Zinsen liegen oft bei 15%+. Finger weg!
  3. Charge-Karten (Der heilige Gral): Du sammelst alle Ausgaben eines Monats. Am Ende des Monats wird abgerechnet. Aber – und jetzt kommt’s – das Geld wird erst einen Monat später vom Konto eingezogen.
    • Liquiditätsvorteil: Riesig. Und wenn man pünktlich zahlt: 0% Zinsen.

Mein Setup: 58 Tage Zahlungsziel nutzen

Ich nutze aktuell eine Karte von American Express (die Business Gold, aber die Platinum geht auch). Warum? Wegen dem Zahlungsziel.

Hier ist die Rechnung, die meinen Cashflow gerettet hat:

Stellt euch vor, ich kaufe am 1. März neue Laptops für 5.000 Euro.

Der Abrechnungszeitraum läuft bis zum 30. März.

Die Rechnung kommt am 1. April.

ABER: Amex bucht das Geld erst ca. 28 Tage nach Rechnungsstellung ab. Also am 28. April.

Ergebnis: Ich habe die Ware am 1. März erhalten, muss das Geld auf dem Konto aber erst am 28. April haben.

Das sind fast 2 Monate (58 Tage), in denen ich mit meinem Geld arbeiten kann! In der Zeit habe ich den Auftrag längst fertig und hoffentlich schon die Rechnung vom Kunden bezahlt bekommen.

Das ist quasi ein Lieferantenkredit, den ich überall nutzen kann – auch da, wo man normalerweise sofort zahlen muss (Tankstelle, Online-Marketing, Amazon Business).

Die neuen Wilden: Moss, Pliant & Co.

Natürlich gibt es nicht nur den Dino Amex. In den letzten Jahren sind deutsche Fintechs wie Pilze aus dem Boden geschossen. Ich habe mir auch Moss und Pliant angeschaut.

Meine Erfahrung mit den Fintechs:

Der riesige Vorteil hier ist die Software.

Bei Amex ist die App… naja, sagen wir „okay“. Bei Moss oder Pliant ist das ein Traum. Du machst ein Foto vom Beleg, die App liest alles aus und schickt es direkt an DATEV. Mein Buchhalter liebt mich dafür.

Aber Vorsicht: Nicht alle Fintech-Karten bieten echtes Kreditlimit.

Viele sind „Prepaid“-Karten, wo ihr erst Geld aufladen müsst. Das bringt für die Liquidität gar nichts!

Ihr müsst gezielt nach einem Kreditrahmen fragen. Wenn eure Zahlen stimmen (siehe mein Artikel zur Creditreform!), geben die euch aber gerne mal 20.000 oder 50.000 Euro Limit.

Kleiner Vergleich aus meiner Praxis:

FeatureAmerican Express BusinessFintechs (z.B. Moss/Pliant)
LiquiditätBis zu 58 TageMeist 30 Tage (Monatsabrechnung)
AkzeptanzMittel (Manche kleinen Shops nehmen sie nicht)Hoch (Da meist VISA/Mastercard)
BuchhaltungAltbackenGenial (DATEV Schnittstelle etc.)
BonusMembership Rewards (Punkte!)Cashback (Geld zurück)

Der „Meilen-Trick“ (Warum ich Business Class fliege)

Ich will nicht angeben, aber das ist ein netter Nebeneffekt. Da ich fast alle Firmenausgaben (Google Ads, Server, Hardware, Reisen) über die Karte laufen lasse, sammle ich Punkte.

Bei Amex sind das „Membership Rewards“.

Letztes Jahr habe ich die Punkte umgewandelt und bin für die gesammelten Punkte in die USA geflogen. Business Class. Gekostet hat mich das nur die Steuern (ca. 150 €).

Wenn ihr also eh Geld ausgeben müsst, dann sorgt wenigstens dafür, dass ihr was zurückbekommt. Cashback oder Meilen sind im Grunde ein Rabatt von 0,5% bis 1,5% auf alle eure Ausgaben.

Für wen lohnt sich das NICHT?

Kreditkarten sind wie Kettensägen. Mächtig, aber gefährlich.

Macht das auf keinen Fall, wenn:

  1. Ihr chaotisch seid: Wenn ihr den Abbuchungstermin verpasst und das Konto nicht gedeckt ist, kostet das richtig Asche. Rücklastschriftgebühren und Mahnkosten fressen jeden Vorteil auf.
  2. Ihr Bargeld braucht: Geld am Automaten abheben ist mit Firmenkreditkarten extrem teuer (oft 4% Gebühr). Nutzt die Karte nur zum Bezahlen, nicht zum Abheben!

Fazit: Plastik statt Bankberater

Für mich ist die Firmenkreditkarte der einfachste Kreditantrag der Welt. Ich muss nicht jedes Mal beim Berater betteln, wenn ich mal 5.000 Euro mehr brauche für Ads. Der Rahmen ist da, ich nutze ihn, ich gleiche ihn aus. Fertig.

Ich empfehle jedem Unternehmer:

Holt euch mindestens zwei Karten.

Eine VISA/Mastercard (z.B. von der Hausbank oder Pliant) für die breite Akzeptanz.

Und eine Amex (wegen der 58 Tage Liquidität) für die großen Brocken wie Online-Werbung oder Wareneinkauf.

Damit seid ihr flexibler als 90% eurer Konkurrenz, die immer noch alles per Vorkasse überweist.

Nächster Schritt:

Habt ihr eure Buchhaltung im Griff? Im nächsten Beitrag schauen wir uns mal an, warum eine schlechte BWA der Hauptgrund ist, warum Kredite abgelehnt werden – und wie man die BWA „bankfein“ macht.

Bleibt solvent,