Finanzierung im stationären Einzelhandel – Erwartung trifft Realität – Meine Tipps!

Veröffentlicht am 20. Januar 2026

1. Ausgangserwartung vieler Händler

Viele Einzelhändler gehen mit einer klaren Annahme in Bankgespräche:

  • langjähriger Standort
  • Stammkundschaft
  • täglicher Umsatz
  • physische Ware als Sicherheit

Erwartung:
➡️ „Ein Laden mit Laufkundschaft ist solide finanzierbar.“


2. Realität in der Kreditprüfung

Banken bewerten den stationären Einzelhandel heute deutlich kritischer als noch vor zehn Jahren.

Grundannahme der Banken:
➡️ Umsatz ist vorhanden, Zukunftsfähigkeit jedoch unsicher.

Die Kreditentscheidung basiert weniger auf Historie als auf Anpassungsfähigkeit.


3. Einnahmenstruktur (Ist-Zustand)

FaktorBewertung
Tagesumsätzestabil
Saisonabhängigkeithoch
Abhängigkeit vom Standortsehr hoch
Online-Konkurrenzstrukturell
Preissetzungsmachtgering

➡️ Hoher Umsatz ersetzt keine Marge.


4. Kostenstruktur (bankrelevant)

Fixkosten:

  • Miete / Nebenkosten
  • Personal
  • Versicherungen
  • Grundversorgung (Strom, Kasse, IT)

Variable Kosten:

  • Wareneinsatz
  • Aktionen / Rabatte
  • Ladenumbauten

Schon geringe Umsatzrückgänge wirken sich stark auf die Liquidität aus.


5. Typische Finanzierungsanlässe

AnlassBankeinschätzung
Ladenumbaukritisch
Sortimentserweiterungselektiv
Übernahme bestehender Lädennur mit Historie
Betriebsmittelhäufig nötig
Digitalisierung (POS, Online-Shop)positiv bewertet

6. Soll vs. Ist – Bankenvergleich

Soll (aus Händlersicht)

  • Kredit für Modernisierung
  • flexible Rückzahlung
  • schnelle Entscheidung

Ist (aus Banksicht)

  • klare Zweckbindung
  • Eigenkapital erforderlich
  • Fokus auf Liquiditätsreserve
  • konservative Umsatzannahmen

➡️ Banken finanzieren Transformation, nicht Stillstand.


7. Geeignete Finanzierungsinstrumente

Betriebsmittelkredit

  • zur Überbrückung von Saisons
  • kurze Laufzeiten
  • strenge Kontrolle

Investitionskredit

  • nur bei Umbauten mit Mehrwert
  • z. B. Sortiment, Flächennutzung, Erlebnisfaktor

Leasing

  • Kassen, IT, Einrichtung
  • schont Liquidität

Förderkredite

  • besonders für Digitalisierung & Energie
  • häufig über Programme der KfW

8. Häufige Ablehnungsgründe

  • stagnierender Umsatz über mehrere Jahre
  • fehlende Online- oder Omnichannel-Strategie
  • zu hohe Miete im Verhältnis zum Umsatz
  • keine Liquiditätsreserve
  • private Entnahmen trotz schwacher Monate

9. Wann Finanzierung realistisch ist

Einzelhandel ist finanzierbar, wenn mindestens zwei der folgenden Punkte erfüllt sind:

  • ergänzender Online-Vertrieb
  • klare Spezialisierung / Nische
  • stabile Stammkundschaft mit hoher Marge
  • flexible Flächennutzung
  • realistische Reduktion von Fixkosten

Ohne Anpassung sinkt die Kreditwürdigkeit deutlich.


Der stationäre Einzelhandel ist kein Auslaufmodell – aber ein selektives Finanzierungsmodell.
Banken vergeben Kredite nicht für Tradition, sondern für Weiterentwicklung.

Fazit:
Wer Finanzierung bekommt, nutzt sie zur Anpassung an verändertes Kaufverhalten.
Wer Stillstand finanzieren will, scheitert meist an der Prüfung.